Lebensläufe Bankiersfamilie E. J. Meyer
Elias Joachim Meyer (1783 - 1849)
Elias Joachim Meyer wurde am 25.10.1783 in Coerlin geboren und erhielt 1812 das Bürgerrecht seiner Geburtsstadt und 1815 das von Berlin. Im folgenden Jahr errichtete er das Bankhaus E. J. Meyer, ab 1820 war er Mitglied in der Korporation der Kaufmannschaft. Zusammen mit seiner Frau Betty geb. Abraham (1788-1839) hatte Meyer mehrere Kinder, von denen jedoch nur die beiden ältesten Söhne Abraham und Friedrich in das Bankgeschäft eintraten. 1847 schloss er einen Gesellschaftervertrag mit seinen beiden Söhnen ab und beteiligte sie am Bankgeschäft. Am 25.05.1849 ist Meyer in Berlin gestorben.
Abraham Meyer (1810-1881)
Seniorchef des Hauses E. J. Meyer nach dem Tod seines Vaters. Meyer führte den Titel Preußischer Kommerzienrat, war Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Bank und des Generalrates der Reichsbank. Abraham Meyer ist am 14.02.1881, nur wenige Tage vor seinem Bruder Friedrich verstorben.
Friedrich Meyer (1820 – 1881)
Zusammen mit seinem Bruder Abraham leitete Friedrich Meyer das Bankhaus nach dem Tod seines Vaters. Er erwarb im April 1872 ein Grundstück in der Voßstraße 16, welches rückseitig an das Grundstück seines Bruders in der damaligen Königgrätzerstraße angrenzte. Meyer ließ auf dem Grundstück ein repräsentatives Stadtpalais im Neorenaissance-Stil durch die beiden Architekten Heinrich Kayser und Carl von Groszheim errichten. Die Bank hatte von 1875 bis 1937 in diesem Gebäude ihren Sitz. Das Gebäude wurde danach für den Neubau der Reichskanzlei abgerissen.
Am 12.02.1857 heiratete Friedrich Meyer Elika Jacobsen (1835-1903), die aus einer alten Bankiersfamilie stammte. Zum Umgang Friedrich Meyers gehörten neben anderen Bankiers auch Schriftsteller und Künstler. Zu den weiteren Bekannten der Familie zählte der damals in Berlin sehr beliebte Schauspieler Ludwig Barnay, der in seinen Erinnerungen über gemeinsame Reisen mit Meyer schreibt und eine Charakterstudie hinterlassen hat:
„Fritz Meyer war eine sehr merkwürdige Persönlichkeit; ein kleiner, schwächlicher Mann von typisch jüdischem Aussehen, unscheinbar, bescheiden, still, klug, gebildet, eminent witzig, von den besten gesellschaftlichen Formen, außerordentlich rücksichtsvoll und aufopferungsfähig und sehr mildtätig, […] ein Mann, den man innig lieb gewann, sobald man den köstlichen Kern erkannte, der sich hinter der unscheinbaren Hülle verbarg. Franz von Dingelstedt, der aristokratisierend Direktor des Hofburgtheaters, war gleichfalls in Tarasp und hielt sich zuerst etwas hochnasig von Fritz Meyer zurück, aber schon nach kurzer Zeit sagte er mir: „Es ist eigentümlich; dieser Mann hat alle Fehler, die man sich nur denken kann: er ist Bankier, er ist Berliner, er ist Gründer, er ist Jude, er heißt Meyer und sieht aus wie zehn Meyer, und doch muss man ihn herzlich lieb gewinnen und aufrichtig schätzen lernen.“
Diesem Manne, welcher damals der Chef des großen und angesehenen Bankhauses E. J. Meyer in Berlin war, verdanke ich es, dass ich mir so viel ersparen konnte, um nun ohne Sorge leben zu können; er, der nur mit fünfstelligen Zahlen zu rechnen gewohnt war, nahm sich meiner sehr bescheidenen äußeren Verhältnisse in liebevoller Weise an; immer und immer wieder mahnte er an die ungewisse Zukunft eines Künstlers zu denken, jeden kleinsten Betrag, den ich erübrigen konnte, nahm er mir aus den Händen, legte ihn mit Sorgfalt und Bedacht für mich an und sparte und sorgte für mich, wie ein Vater für seinen Sohn, bis sich aus diesen allerkleinsten Anfängen nach und nach nennenswerte Ersparnisse bildeten. Fritz Meyer war ein Mann, der sich für Kunst und Literatur in warmherziger Weise interessierte und demgemäß auch den Vertretern derselben eine achtungsvolle und sympathische Gesinnung entgegenbrachte. In Dankbarkeit, Liebe und Verehrung gedenke ich des teueren, dahingeschiedenen Freundes, dessen Bild in mir fortleben wird, so lange ich hienieden wandle.“
Am 21.02.1881 ist Friedrich Meyer in Berlin verstorben.
Ernst Joachim Meyer (1853-1928)
Sohn von Abraham Meyer. Nach dem Abschluss seines Studiums und Lehrjahren in Londonern und Pariser Bankhäusern, trat Ernst Joachim Meyer 1881 in das Bankhaus E. J. Meyer ein. Er war Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bank des Berliner Kassen-Vereins und der Berliner Hagel-Assecuranz-Gesellschaft von 1832. und Mitglied des Zentralausschusses der Reichsbank. Darüber hinaus hatte er Aufsichtsratsmandate bei der Mitteldeutschen Credit Bank, Berlin, Preußischen Hypotheken-Actien-Bank, Schultheiß-Patzenhofer Brauerei, Philipp Holtzmann AG, Chemischen Fabrik Landshoff & Meyer AG, Ehrich & Graeetz AG.
Meyer führte den Titel eines Geheimen Kommerzienrates und war Mitglied der Gesellschaft der Freunde. Um 1912 belief sich das Vermögen von Ernst Joachim Meyer auf 5,2 Mio.
Dr. Adolph Ernst Joachim Meyer (1886 - 1965)
Der promovierte Jurist Ernst Joachim Meyer war seit 1913 Teilhaber des Bankhauses E. J. Meyer, welches er bis 1938 leitete. Wie sein Vater Ernst Joachim Meyer war er auch im Aktionärsausschuss der Bank des Berliner Kassen-Vereins vertreten, Aufsichtsrat bei der Philipp Holzmann AG und Mitglied der Gesellschaft der Freunde.
Richard M. Meyer (1860 – 1914)
Richard Moritz Meyer wurde am 05.07.1860 als Sohn von Friedrich Meyer geboren. Während der Sohn seines Onkels Abraham Meyer, Ernst Joachim (1854-1928) in die Bank eintrat, war Richard M. Meyer nicht im Bankgeschäft aktiv.
Richard M. Meyer besuchte das Wilhelms-Gymnasium und das Friedrichs-Gymnasium. Sein Studium der germanischen Philologie begann Meyer in Leipzig im Jahre 1878. Ein Jahr später ging er nach Berlin zurück, wo er u.a. bei Karl Müllenhoff, Max Roediger und Wilhelm Scherer hörte. 1883 erfolgte seine Promotion. Im Wintersemester 1883/1884 wechselt Meyer nach Straßburg. 1886 erfolgte seine Habilitation über Swift und Georg Christoph Lichtenberg an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, wo er im gleichen Jahr auch seine Lehrtätigkeit als Privatdozent aufnahm. Ab 1901 war er als ao. Professor der deutschen Literaturgeschichte in Berlin tätig.
Ab 1887 war Meyer Mitglied in der Goethe-Gesellschaft, am 01. Juni 1901 hielt er dort den Festvortrag zum Thema „Goethe als Psychologe“. Seit 1892 publizierte er regelmäßig im Goethejahrbuch und veröffentlichte 1895 seine große Goethe-Biografie, die bis 1913 in vier Auflagen erschien. Wohl auf seine Initiative hin unterstütze das Bankhaus E. J. Meyer, neben anderen Mäzenen 1895 den Erwerb der sieben Bände des Schriftwechsels zwischen Goethe und Frau von Stein, für das Goethe Schiller Archiv in Weimar. 1909 schließlich veröffentlichte er den Briefwechsel Goethes mit seinen Freunden.
Zum Umfeld von Meyer gehörte auch Friedrich Wilhelm Nietzsche, den er auch finanziell unterstütze. Wohl um 1892 begann der Kontakt zu Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche. Im Mai 1908 wurde in Weimar die Stiftung Nietzsche-Archiv gegründet, in deren Vorstand von 1910 – 1913 auch Richard M. Meyer, u.a. neben Harry Graf Kessler tätig war. Kurz vor seinen Tod publizierte Meyer 1913 seine Monographie über Nietzsche
Zur Erinnerung an seinen Lehrer Wilhelm Scherer und zur Unterstützung und Auszeichnung von Arbeiten auf dem Gebiet der deutschen Philologie errichtet Richard M. Meyer 1910 die Wilhelm Scherer Stiftung. Die Stiftung wurde als Treuhandstiftung durch die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin verwaltet. 1920 und 1923 vergab die Stiftung zum Gedächtnis an Meyers verstorbenen Sohn Fritz den Wilhelm Scherer Preis. Das Stiftungskapital von 100.000 RM wurde im Zuge der Inflation in den zwanziger Jahren jedoch aufgezehrt. In seinem Testament vermachte Meyer der Universität ein Legat über 10.000 RM, aus dessen Zinserträgen jedes Jahr ein Scherer Stipendium finanziert werden sollte.
Richard M. Meyer verstarb am 14.10.1914. Mit seiner Frau Estella (geb. Goldschmidt 1870-1942) hatte er drei Kinder. Der jüngste Sohn Fritz (1893-1910) verstarb an Meningitis, der zweite Sohn Konrad (1895-1918) fiel bei Verdun. Sein dritter Sohn Reinhold (1898-1965), verkaufte ab 1924 die umfangreiche Meyersche Bibliothek von über 30.000 Büchern auf einer Auktion in München und über das von ihm gegründete Antiquariat Meyer & Mittler, das seine Räume in der ehemaligen Bibliothek Meyers in der Voßstraße 16 in Berlin hatte.
Im Vorwort zum Auktionskatalog von 1924 der Bibliothek von Richard M. Meyer, schreibt Otto Pniower:
„Richard M. Meyer war Germanist in einem sehr weiten Sinne des Wortes. Ihm schwebte ein hohes Ideal seiner Wissenschaft vor, jenes Ideal, das die Heroen der klassischen Philologie, Männer wie Böcklin, Ritschl, Usener aufstellten. Danach erschien ihm Aufgabe des deutschen Philologen, die Reproduktion des gesamten Lebens unsers Volks durch Erkenntnis und Anschauung seiner wesentlichen Äußerungen. ….. Allein auch mit seinem Spezialgebiet, wie der Religionswissenschaft, beschäftigte er sich, namentlich in den letzten Jahren seines Lebens, intensiv. Dazu widmete er Friedrich Nietzsche, dessen Biographie er schrieb, einen enthusiastischen Herzenskult. Ein ihm angeborener Ordnungssinn und Sammeltrieb erleichterten ihm die Beherrschung dieser großen Interessensphären. Bei solcher Universalität war er wirklich im Goethischen Sinne Weltbewohner, war er Weimaraner. „
Elias Joachim Meyer wurde am 25.10.1783 in Coerlin geboren und erhielt 1812 das Bürgerrecht seiner Geburtsstadt und 1815 das von Berlin. Im folgenden Jahr errichtete er das Bankhaus E. J. Meyer, ab 1820 war er Mitglied in der Korporation der Kaufmannschaft. Zusammen mit seiner Frau Betty geb. Abraham (1788-1839) hatte Meyer mehrere Kinder, von denen jedoch nur die beiden ältesten Söhne Abraham und Friedrich in das Bankgeschäft eintraten. 1847 schloss er einen Gesellschaftervertrag mit seinen beiden Söhnen ab und beteiligte sie am Bankgeschäft. Am 25.05.1849 ist Meyer in Berlin gestorben.
Abraham Meyer (1810-1881)
Seniorchef des Hauses E. J. Meyer nach dem Tod seines Vaters. Meyer führte den Titel Preußischer Kommerzienrat, war Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Bank und des Generalrates der Reichsbank. Abraham Meyer ist am 14.02.1881, nur wenige Tage vor seinem Bruder Friedrich verstorben.
Friedrich Meyer (1820 – 1881)
Zusammen mit seinem Bruder Abraham leitete Friedrich Meyer das Bankhaus nach dem Tod seines Vaters. Er erwarb im April 1872 ein Grundstück in der Voßstraße 16, welches rückseitig an das Grundstück seines Bruders in der damaligen Königgrätzerstraße angrenzte. Meyer ließ auf dem Grundstück ein repräsentatives Stadtpalais im Neorenaissance-Stil durch die beiden Architekten Heinrich Kayser und Carl von Groszheim errichten. Die Bank hatte von 1875 bis 1937 in diesem Gebäude ihren Sitz. Das Gebäude wurde danach für den Neubau der Reichskanzlei abgerissen.
Am 12.02.1857 heiratete Friedrich Meyer Elika Jacobsen (1835-1903), die aus einer alten Bankiersfamilie stammte. Zum Umgang Friedrich Meyers gehörten neben anderen Bankiers auch Schriftsteller und Künstler. Zu den weiteren Bekannten der Familie zählte der damals in Berlin sehr beliebte Schauspieler Ludwig Barnay, der in seinen Erinnerungen über gemeinsame Reisen mit Meyer schreibt und eine Charakterstudie hinterlassen hat:
„Fritz Meyer war eine sehr merkwürdige Persönlichkeit; ein kleiner, schwächlicher Mann von typisch jüdischem Aussehen, unscheinbar, bescheiden, still, klug, gebildet, eminent witzig, von den besten gesellschaftlichen Formen, außerordentlich rücksichtsvoll und aufopferungsfähig und sehr mildtätig, […] ein Mann, den man innig lieb gewann, sobald man den köstlichen Kern erkannte, der sich hinter der unscheinbaren Hülle verbarg. Franz von Dingelstedt, der aristokratisierend Direktor des Hofburgtheaters, war gleichfalls in Tarasp und hielt sich zuerst etwas hochnasig von Fritz Meyer zurück, aber schon nach kurzer Zeit sagte er mir: „Es ist eigentümlich; dieser Mann hat alle Fehler, die man sich nur denken kann: er ist Bankier, er ist Berliner, er ist Gründer, er ist Jude, er heißt Meyer und sieht aus wie zehn Meyer, und doch muss man ihn herzlich lieb gewinnen und aufrichtig schätzen lernen.“
Diesem Manne, welcher damals der Chef des großen und angesehenen Bankhauses E. J. Meyer in Berlin war, verdanke ich es, dass ich mir so viel ersparen konnte, um nun ohne Sorge leben zu können; er, der nur mit fünfstelligen Zahlen zu rechnen gewohnt war, nahm sich meiner sehr bescheidenen äußeren Verhältnisse in liebevoller Weise an; immer und immer wieder mahnte er an die ungewisse Zukunft eines Künstlers zu denken, jeden kleinsten Betrag, den ich erübrigen konnte, nahm er mir aus den Händen, legte ihn mit Sorgfalt und Bedacht für mich an und sparte und sorgte für mich, wie ein Vater für seinen Sohn, bis sich aus diesen allerkleinsten Anfängen nach und nach nennenswerte Ersparnisse bildeten. Fritz Meyer war ein Mann, der sich für Kunst und Literatur in warmherziger Weise interessierte und demgemäß auch den Vertretern derselben eine achtungsvolle und sympathische Gesinnung entgegenbrachte. In Dankbarkeit, Liebe und Verehrung gedenke ich des teueren, dahingeschiedenen Freundes, dessen Bild in mir fortleben wird, so lange ich hienieden wandle.“
Am 21.02.1881 ist Friedrich Meyer in Berlin verstorben.
Ernst Joachim Meyer (1853-1928)
Sohn von Abraham Meyer. Nach dem Abschluss seines Studiums und Lehrjahren in Londonern und Pariser Bankhäusern, trat Ernst Joachim Meyer 1881 in das Bankhaus E. J. Meyer ein. Er war Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bank des Berliner Kassen-Vereins und der Berliner Hagel-Assecuranz-Gesellschaft von 1832. und Mitglied des Zentralausschusses der Reichsbank. Darüber hinaus hatte er Aufsichtsratsmandate bei der Mitteldeutschen Credit Bank, Berlin, Preußischen Hypotheken-Actien-Bank, Schultheiß-Patzenhofer Brauerei, Philipp Holtzmann AG, Chemischen Fabrik Landshoff & Meyer AG, Ehrich & Graeetz AG.
Meyer führte den Titel eines Geheimen Kommerzienrates und war Mitglied der Gesellschaft der Freunde. Um 1912 belief sich das Vermögen von Ernst Joachim Meyer auf 5,2 Mio.
Dr. Adolph Ernst Joachim Meyer (1886 - 1965)
Der promovierte Jurist Ernst Joachim Meyer war seit 1913 Teilhaber des Bankhauses E. J. Meyer, welches er bis 1938 leitete. Wie sein Vater Ernst Joachim Meyer war er auch im Aktionärsausschuss der Bank des Berliner Kassen-Vereins vertreten, Aufsichtsrat bei der Philipp Holzmann AG und Mitglied der Gesellschaft der Freunde.
Richard M. Meyer (1860 – 1914)
Richard Moritz Meyer wurde am 05.07.1860 als Sohn von Friedrich Meyer geboren. Während der Sohn seines Onkels Abraham Meyer, Ernst Joachim (1854-1928) in die Bank eintrat, war Richard M. Meyer nicht im Bankgeschäft aktiv.
Richard M. Meyer besuchte das Wilhelms-Gymnasium und das Friedrichs-Gymnasium. Sein Studium der germanischen Philologie begann Meyer in Leipzig im Jahre 1878. Ein Jahr später ging er nach Berlin zurück, wo er u.a. bei Karl Müllenhoff, Max Roediger und Wilhelm Scherer hörte. 1883 erfolgte seine Promotion. Im Wintersemester 1883/1884 wechselt Meyer nach Straßburg. 1886 erfolgte seine Habilitation über Swift und Georg Christoph Lichtenberg an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, wo er im gleichen Jahr auch seine Lehrtätigkeit als Privatdozent aufnahm. Ab 1901 war er als ao. Professor der deutschen Literaturgeschichte in Berlin tätig.
Ab 1887 war Meyer Mitglied in der Goethe-Gesellschaft, am 01. Juni 1901 hielt er dort den Festvortrag zum Thema „Goethe als Psychologe“. Seit 1892 publizierte er regelmäßig im Goethejahrbuch und veröffentlichte 1895 seine große Goethe-Biografie, die bis 1913 in vier Auflagen erschien. Wohl auf seine Initiative hin unterstütze das Bankhaus E. J. Meyer, neben anderen Mäzenen 1895 den Erwerb der sieben Bände des Schriftwechsels zwischen Goethe und Frau von Stein, für das Goethe Schiller Archiv in Weimar. 1909 schließlich veröffentlichte er den Briefwechsel Goethes mit seinen Freunden.
Zum Umfeld von Meyer gehörte auch Friedrich Wilhelm Nietzsche, den er auch finanziell unterstütze. Wohl um 1892 begann der Kontakt zu Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche. Im Mai 1908 wurde in Weimar die Stiftung Nietzsche-Archiv gegründet, in deren Vorstand von 1910 – 1913 auch Richard M. Meyer, u.a. neben Harry Graf Kessler tätig war. Kurz vor seinen Tod publizierte Meyer 1913 seine Monographie über Nietzsche
Zur Erinnerung an seinen Lehrer Wilhelm Scherer und zur Unterstützung und Auszeichnung von Arbeiten auf dem Gebiet der deutschen Philologie errichtet Richard M. Meyer 1910 die Wilhelm Scherer Stiftung. Die Stiftung wurde als Treuhandstiftung durch die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin verwaltet. 1920 und 1923 vergab die Stiftung zum Gedächtnis an Meyers verstorbenen Sohn Fritz den Wilhelm Scherer Preis. Das Stiftungskapital von 100.000 RM wurde im Zuge der Inflation in den zwanziger Jahren jedoch aufgezehrt. In seinem Testament vermachte Meyer der Universität ein Legat über 10.000 RM, aus dessen Zinserträgen jedes Jahr ein Scherer Stipendium finanziert werden sollte.
Richard M. Meyer verstarb am 14.10.1914. Mit seiner Frau Estella (geb. Goldschmidt 1870-1942) hatte er drei Kinder. Der jüngste Sohn Fritz (1893-1910) verstarb an Meningitis, der zweite Sohn Konrad (1895-1918) fiel bei Verdun. Sein dritter Sohn Reinhold (1898-1965), verkaufte ab 1924 die umfangreiche Meyersche Bibliothek von über 30.000 Büchern auf einer Auktion in München und über das von ihm gegründete Antiquariat Meyer & Mittler, das seine Räume in der ehemaligen Bibliothek Meyers in der Voßstraße 16 in Berlin hatte.
Im Vorwort zum Auktionskatalog von 1924 der Bibliothek von Richard M. Meyer, schreibt Otto Pniower:
„Richard M. Meyer war Germanist in einem sehr weiten Sinne des Wortes. Ihm schwebte ein hohes Ideal seiner Wissenschaft vor, jenes Ideal, das die Heroen der klassischen Philologie, Männer wie Böcklin, Ritschl, Usener aufstellten. Danach erschien ihm Aufgabe des deutschen Philologen, die Reproduktion des gesamten Lebens unsers Volks durch Erkenntnis und Anschauung seiner wesentlichen Äußerungen. ….. Allein auch mit seinem Spezialgebiet, wie der Religionswissenschaft, beschäftigte er sich, namentlich in den letzten Jahren seines Lebens, intensiv. Dazu widmete er Friedrich Nietzsche, dessen Biographie er schrieb, einen enthusiastischen Herzenskult. Ein ihm angeborener Ordnungssinn und Sammeltrieb erleichterten ihm die Beherrschung dieser großen Interessensphären. Bei solcher Universalität war er wirklich im Goethischen Sinne Weltbewohner, war er Weimaraner. „
